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Supplier Relationship Management scheitert selten an der Software

Viele Unternehmen führen derzeit neue SRM-Systeme ein, in der Lebensmittelindustrie ebenso wie im Handel oder in der Konsumgüterbranche. Die Plattform bildet Lieferantenstammdaten, Bewertungen, Risiken und Verträge ab. Ob sie im Einkauf tatsächlich genutzt wird, hängt aber von Faktoren ab, die kein Lastenheft vollständig erfasst.

Die Beratung State of Flux untersucht in ihrer jährlichen SRM-Studie 2026 gezielt, wie Unternehmen Lieferantenmanagement in Operating Model, Governance und Verhaltensweisen verankern, damit es im ganzen Unternehmen einheitlich angewendet wird und nicht von einzelnen engagierten Personen abhängt. Der Softwareanbieter Ivalua sieht das größte Hindernis für reifes SRM in der Umsetzung: verstreute Daten, nicht abgestimmte Kennzahlen und uneinheitliche Governance. Gartner nennt als häufigste Hürde bei engerer Zusammenarbeit die Zurückhaltung und Skepsis der Lieferanten selbst.

Für ein Einführungsprojekt ergeben sich daraus einige praktische Punkte. Die fachlichen Anforderungen sollten aus den tatsächlichen Abläufen im Einkauf entstehen: Wie wird ein Lieferant heute qualifiziert, wer bewertet ihn, wann wird eskaliert? Wird dieser Prozess erst im System definiert, bildet die Software am Ende eine Idealvorstellung ab, die im Alltag niemand lebt.

Vom gelebten Prozess zum System

  1. Abläufe aufnehmenQualifizierung, Bewertung, Eskalation, wie sie heute laufen
  2. Anforderungen ableitenFachliche Anforderungen aus diesen Abläufen
  3. System konfigurierenStammdaten, Bewertungen, Risiken, Verträge
  4. Tests und UATMit späteren Anwendern und realistischen Fällen
  5. Go-liveLücken sind vorher geschlossen, nicht danach
Reihenfolge eines Einführungsprojekts, bei dem der Prozess vor dem System steht.

Ebenso wichtig ist eine klare Lieferantensegmentierung. Nicht jeder Lieferant braucht Jahresgespräche und Scorecards. Wer die strategisch wichtigen Partner benennt, kann Aufwand dort bündeln, wo er Wirkung hat.

Aufwand nach Lieferantensegment

Strategische PartnerJahresgespräche, Scorecards, quartalsweise Business Reviews, Lieferantentage
Wichtige LieferantenRegelmäßige Bewertung, Gespräche bei Bedarf
Übrige LieferantenStammdaten, Verträge und Risiken im System, ohne eigene Gesprächsformate
Beispielhafte Segmentierung. Welche Lieferanten strategisch sind, legt jedes Unternehmen selbst fest.

Tests und User Acceptance Tests sind der Moment, in dem sich zeigt, ob Prozess und System zusammenpassen. Werden sie mit den späteren Anwenderinnen und Anwendern und mit realistischen Fällen durchgeführt, fallen Lücken vor dem Go-live auf und nicht danach.

Schließlich braucht SRM feste Formate, die unabhängig von der Technik funktionieren. Gartner nennt als Beispiele quartalsweise Business Reviews, Lieferantentage und Zufriedenheitsbefragungen bei Lieferanten. Das System liefert die Datengrundlage für diese Gespräche, geführt werden sie von den verantwortlichen Einkäuferinnen und Einkäufern.

Oliver GrünbergGeschäftsführender Gesellschafter, OGC GmbH

Quellen

  1. State of Flux, 2026 Global SRM Research Survey: https://stateofflux.co.uk/srmresearch26
  2. Ivalua, Ultimate Guide to Supplier Relationship Management 2026: https://www.ivalua.com/blog/supplier-relationship-management/
  3. Gartner, Supplier Relationship Management: A Complete Guide: https://www.gartner.com/en/supply-chain/topics/supplier-relationship-management